Freiräume schaffen
20.07.07
Auch in einem anscheinend gesättigten TK-Markt bestehen weiter Chancen auf Wachstum. Möglich machen dies neue Technologien und neue Geschäftsmodelle, aber auch ein Trend, der immer mehr Fuß fasst, nämlich das Outsourcing. Damit können Anbieter ihre operativen Kosten senken und sich neue Freiräume schaffen.
Das IP-basierte NGN (Next Generation Network) wird in den nächsten Jahren kommen. Dies wird es den TK-Anbietern ermöglichen, ihre Dienste weitgehend unabhängig von der vorhandenen Infrastruktur zu offerieren. Somit werden sie neben klassischen Telefondiensten auch neue Dienste anbieten können. „Der Wechsel zur IP-Technik hat zur Folge, dass neue Angebote wie IP-TV oder VoIP immer schneller kreiert und vermarktet werden“, so Kenn Walters, Executive Advisor, von der Experton Group. Alle diese Dienste können TK-Anbieter gebündelt anbieten. Schon heute setzt die Branche auf Triple Play – also Telefon, Internet und TV – von einem einzigen Anbieter.
Neue Modelle verändern die Prozesse
Die Keyplayer für Festnetz, Mobilfunk, Kabel- TV, Satelliten und Funknetze haben bereits neue Geschäftsmodelle am Markt platziert, die durch eine flexible und skalierbare IT-Landschaft unterstützt werden müssen. „Das NGN wird sich auch auf die Geschäftsprozesse der Unternehmen auswirken. Billing, CRM, ERP – fast alle Prozesse werden sich durch die neue Kommunikationsinfrastruktur verändern“, prognostiziert Dan Bieler, TK-Analyst bei IDC.
MVNOs und mobile Marketing gehört die Zukunft
Außerdem wird das neue Netzwerk neuen Playern den Eintritt in den TK-Markt erleichtern. Durch die Koppelung von Diensten und Infrastruktur können sie künftig ohne eigene Infrastruktur schnell neue Dienste am Markt platzieren. Im gesättigten Mobilfunkmarkt können davon Branded Reseller und MVNO (Mobile Virtual Network Operator) profitieren. Marktanalysten rechnen damit, dass es im Jahr 2010 bis zu 100 deutsche MVNO-Anbieter geben wird. Sie sollen dann einen Marktanteil von rund 25 Prozent haben. Die MVNO entwickeln dafür zielgruppenspezifische Angebote. Diese werden durch Multi-Channel-Konzepte mit mobile Payment, mobile Content und mobile Marketing abgerundet. Ein enormes Marktwachstum hat dabei auch mobile Werbung. „Wo das Internet jetzt ist, wird mobile Marketing bereits in fünf Jahren sein“, prognostiziert Mark Wächter, Vorsitzender der Fachgruppe Mobile des Branchenverbands BVDW.
Neue Player benötigen moderne IT-Lösungen
Die neuen Player sind meist äußerst effizient und effektiv aufgestellt. Sie konzentrieren sich auf Unternehmensstrategie, Produktangebot und Marketing. Um erfolgreich am Markt zu agieren, benötigen aber auch sie eine IT-Systemlandschaft, die optimal die integrierten Geschäftsprozesse automatisiert unterstützt. „Speziell kleinere Provider, die oftmals nur eine Hand voll Mitarbeiter beschäftigen, benötigen IT-Lösungen wie Mediation, Callcenter-Services, Billing, Dokumenten- und Content- Management, die sie aufgrund ihrer Größe meist von einem externen Anbieter beziehen“, so TK-Analyst Bieler.
Bedarfsorientierte Dienste
IT-Dienstleister offerieren heute zugeschnittene IT-Services für TK-Anbieter. Während bei den Keyplayern IT-Services im Mittelpunkt stehen, sind es bei den neuen Playern Application Management und allen voran On-Demand-Services für Geschäftsprozesse. „Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen der TK-Branche ist diese Art der Softwarebeschaffung äußerst interessant“, erläutert Julia Reichhart, Senior Consultant bei PAC (Pierre Audoin Consultants). Die IT-Dienstleister übernehmen die Verantwortung für die Anpassung und den Betrieb der On-Demand-Services für standardisierte Referenzprozesse. Innovative Lösungen bilden dabei den Geschäftsprozess „Service Activation to Billing / Payment“ ab. Zudem unterstützen sie alle Abläufe für Customer Care, Billing und Subscriber- und Informations-Management. Dazu werden alle Geschäftspartner – Verkaufspartner, Callcenter, Logistikunternehmen und Finanzdienstleister – in die Lösung integriert.
Geringe Kosten und schnelles Time to Market
Der Nutzen für die neuen Player ist vielfältig. Zum einen haben sie aufgrund des On- Demand-Angebotes geringe IT-Investitionen. Zum anderen haben sie durch virtualisierte und geteilte IT-Ressourcen niedrige operative IT-Kosten. Zudem etabliert sich das erfolgsabhängige Preismodell „pay-as-you-grow“. Des Weiteren kommt hinzu, dass die On-Demand- Services – bei einem gleichzeitig äußerst flexiblen Service – eine garantierte Performance und höchste Sicherheit ermöglichen, und dass die neuen Player auf bewährten Geschäftsprozessen basierend ein schnelles Time to Market realisieren können. Nachfrage nach Outsourcing wächst Die Marktanalysten von PAC prognostizieren, dass die westeuropäische TK-Branche in den nächsten Jahren im Vergleich zu anderen Branchen am meisten in Outsourcing investieren wird. Und das gilt sowohl für die Mobilfunk-, als auch für die Festnetzanbieter. Unter dem Strich rechnet PAC für die Zeitspanne von 2006 bis 2010 mit einem Wachstum von durchschnittlich elf Prozent. (AW)
Ralph Cramer ist Vice President Business Development bei Danet in Weiterstadt.